Eine der letzten „Mondschein-Siedlungen“ Münchens ist legalisiert

07. Dezember 2015

In München sind in der frühen Nachkriegszeit eine Reihe von Schwarzbau-Siedlungen entstanden. „Mondschein-Siedlungen“ wurden sie genannt, weil sie oft im Schutz der Dunkelheit und in gegenseitiger Selbsthilfe aufgebaut wurden – auf Grundstücken mit Gärten und Beeten, sodass die Menschen die Möglichkeit hatten, sich auch in schwierigen Zeiten selbst zu versorgen. All diese Bauten waren ungenehmigt.

Vergangenen Mittwoch hat der Planungsausschuss des Stadtrats eine der letzten dieser Siedlungen in München legalisiert: Die 34 Häuser „Am Hierlbach“ im Stadtbezirk Bogenhausen gelten in Zukunft nicht mehr als Schwarzbauten. Die Anwohnerinnen und Anwohner leben dort nach Jahrzehnten zum ersten Mal rechtmäßig und müssen nicht mehr befürchten, dass die Stadt den Abriss ihrer Häuser verfügt. Im Flächennutzungsplan war bis jetzt eine reine Landwirtschaftsfläche eingetragen gewesen. Erst durch die Änderung des Plans und das nachträgliche Aufstellen eines Bebauungsplans ist nun offiziell alles in Ordnung gebracht.

Auch bei den Siedlern am Hierlbach handelte es sich um einfache Leute, die im Bombenkrieg ihre Wohnung verloren hatten oder als Flüchtlinge aus dem Osten gekommen waren. Jenseits der Stadt errichteten sie für sich einfache Bleiben. Der erste „Absiedlungsbescheid“ kam 1967. Seither rangen die Bewohnerinnen und Bewohner um die Anerkennung ihres Zuhauses.

SPD-Fraktionschef Alexander Reissl sagt:

„Jahrzehnte lang waren die Schwarzbau-Siedlungen den Stadtplanern ein Dorn im Auge. Erst Ende der 80er Jahre gab es ein Umdenken in der Stadtpolitik. Seither wurde eine Siedlung nach der anderen legalisiert, mehr als ein Dutzend dürften es wohl gewesen sein. Es wäre undenkbar gewesen, die Bewohnerinnen und Bewohner angesichts des angespannten Wohnungsmarktes zur Absiedlung zu zwingen. Wir freuen uns für die Menschen am Hierlbach, dass ihre Siedlung nun endlich legalisiert worden ist, sie haben lange dafür gekämpft! Die Rechtsunsicherheit hat dazu geführt, dass junge Familien die Siedlung verlassen und sich lieber andernorts ein Zuhause gesucht haben. Jetzt wird mit Sicherheit neues Leben in die Siedlung kommen. Mit der Legalisierung der Häuser „Am Hierlbach“ nähert sich dieses Kapitel der Münchner Baugeschichte nun seinem Ende. Mir fällt nur eine einzige weitere Siedlung ein, in der das Verfahren noch läuft, und die liegt am Dratfeld in Feldmoching.“

  • Alexander Reissl
    Alexander Reissl, Fraktionsvorsitzender

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