Kompromiss zur Fröttmaninger Heide beschlossen

21. Oktober 2015

Die Fröttmaninger Heide wurde in der Vergangenheit sehr unterschiedlich genutzt. Sie war ein Truppenübungsplatz, ein Panzerübungsgelände, eine Weidefläche und ein Spaziergelände. Heute hat der Stadtrat klar gemacht, wie er sich die Zukunft des Areals vorstellt.

Zum Hintergrund: Im Laufe der Zeit ist auf dieser eiszeitlichen Schotterebene eine an die rauen Bedingungen angepasste Heide entstanden. Auf solchen Grasheiden finden sich zahlreiche Pflanzenarten, von denen ein Großteil gefährdet bzw. geschützt ist. Ebenso leben viele seltene Tierarten dort, die teilweise vom Aussterben bedroht sind. Unter diesen Gesichtspunkten liegt es nahe, diese den Münchner Norden prägende Fläche zu schützen.

Die Heide auf dem Gebiet der Stadt München und des Landkreises München soll deshalb als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Seit Jahren setzt sich der Heideflächenverein Münchner Norden e.V. für die Belange vor Ort ein. Auf der einen Seite soll das Gebiet in seiner ökologischen und landschaftsästhetischen Qualität gestärkt werden. Auf der anderen Seite soll die Erlebbarkeit der Landschaft für die Bürgerinnen und Bürger deutlich verbessert werden. Die Diskussion im Vorfeld hat gezeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger diese einmalige Landschaft weiterhin nutzen und erleben möchten. Ein Betretungsverbot erscheint deshalb genauso wenig sinnvoll, wie eine exzessivere Freitzeitnutzung.

Nun hat ein interfraktioneller Arbeitskreis aus CSU, SPD, Bürgerliche Mitte, FTB, ÖDP und Die Linke nach einem Ortstermin und mehreren Beratungen einen gangbaren Kompromissvorschlag erarbeitet. Dieser mündete in einen Änderungsantrag der Stadtratsvorlage zur Südlichen Fröttmaninger Heide, dem heute in der Vollversammlung mit großer Mehrheit zugestimmt wurde. Konkret sollen Parkbänke, Abfallbehälter und Tütenspender an geeigneten Punkten im Wegenetz und außerhalb der Schutzzone aufgestellt werden. Außerdem wird keine Leinenpflicht für Hunde, sondern die Einführung eines Hundeführerscheins gefordert. Im Schutzgebiet selbst sollen Hunde an eine maximal vier Meter lange Leine.

Der örtlich zuständige SPD-Stadtrat Klaus Peter Rupp, als Vertreter der Landeshauptstadt München Mitglied im Heideflächenverein, sagt:

„Wir haben einen guten Kompromiss für die Fröttmaninger Heide gefunden, der sowohl dem Erholungsbedürfnis der Münchnerinnen und Münchner als auch den Anforderungen des Naturschutzes gerecht wird. Der SPD-Fraktion sind drei Punkte besonders wichtig gewesen: Wege, die von den Menschen ohnehin genutzt werden - wie zum Beispiel die Direktverbindung zur U-Bahn - dürfen nicht mit einem Betretungsverbot belegt sein, das sowieso nicht akzeptiert würde. Der Zugang zur Heide soll für Anwohnerinnen und Anwohner, die am südlichen Rand leben, verbessert werden. Und: Der Belag der Wege muss so gestaltet sein, dass völlig klar ist, wo die Bürgerinnen und Bürger entlang spazieren dürfen – derzeit sind Trampelpfade mitunter nicht von den eigentlichen Wegen zu unterscheiden. Wir sind sicher, dass die nun gefundene Lösung dem Schutz von Tier- und Pflanzenarten nicht zuwiderläuft. Jetzt ist die Regierung von Oberbayern gefragt, in einer Informations- und Kommunikationsoffensive zu erklären, was in der Fröttmaninger Heide künftig wo zu beachten ist.“

Stadträtin Dr. Evelyne Menges, Tierschutzbeauftragte der CSU Fraktion und als Vertreterin der Landeshauptstadt München ebenfalls Mitglied im Heideflächenverein, sagt:

„Ich habe mich sehr für diesen interfraktionellen Kompromiss zur Fröttmaninger Heide eingesetzt und möchte allen beteiligten Stadtratskolleginnen und Stadtratskollegen für die sehr konstruktive Zusammenarbeit danken. Das zeigt, wie wichtig uns allen die Heide ist. Unser Motto ist: Leben und leben lassen. Nur so erreichen wir Akzeptanz in der Bevölkerung; ein generelles Aussperren ist der falsche Weg. Es geht vielmehr darum, der Bevölkerung den Zugang in geordneten Bahnen und mit Regeln zu erlauben. Die Sorge, dass Menschen mit Hunden die Tiere dort stören und vertreiben könnten ist verständlich, aber letztlich unbegründet, wenn Menschen mit Hunden entsprechend Rücksicht nehmen. Wir setzten uns deshalb mit Nachdruck für die Einführung eines vor Ort erwerbbaren Hundeführerscheins ein. Gelehrt und geübt werden die richtigen Verhaltensweisen für die Heide. Diese Sensibilisierungsmaßnahme hat Vorbildcharakter, denn es gibt derzeit nur wenige Stellen in München, wo dieser Führerschein angeboten wird. Wir möchten nachhaltige Anreize schaffen, um die Fläche bewusst und naturschutzverträglich nutzen zu können. Für mich gilt der Grundsatz: Was man kennt, schätzt man; was man schätzt, schützt man.“

  • Klaus Peter Rupp
    Klaus Peter Rupp, Stadtrat

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