Müssen „Geister-Gleise“ ohne Funktion erhalten werden? Rathaus-SPD geht gegen Denkmalschutz-Posse vor

12. Februar 2016

Im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele von 1972 ist ein S-Bahnhof „Olympiastadion“ errichtet worden. Im Jahr 1988 jedoch wurde die Anlage stillgelegt.

Der Bahnsteig ist inzwischen komplett überwuchert, die dazugehörigen Gleise ohne Funktion. Jetzt steht eine Bodensanierung im Umfeld der Gleise an. Altlasten im Erdreich sollen entfernt werden, damit am westlichen Rand des Olympiaparks eine durchgängige Grünfläche sowie eine Fuß- und Radwegverbindung entstehen kann. Aus einer Beschlussvorlage, die in der vergangenen Woche im Kommunalausschuss behandelt worden ist, geht hervor: Bei der Sanierung und Umgestaltung des Areals sollen die nutzlosen S-Bahn-Gleise erhalten bleiben! Begründung: Sie seien Teil des unter Denkmalschutz stehenden Ensembles „Olympiapark“.

Der Rathaus-SPD erschließt sich nicht, welchen Erhaltungswert die alten Schienen haben – und warum die Stadt Geld ausgeben sollte, um ihren Fortbestand zu sichern. Seine Bedenken hat Fraktionschef Alexander Reissl bereits im Kommunalausschuss in der vergangenen Woche angemeldet. Letztlich wurde der Beschluss vertagt, damit das Kommunalreferat noch offen gebliebene Fragen klären kann. Mit ihrem heutigen Antrag bekräftigt die Rathaus-SPD ihre Forderung, die Gleise im Zuge der geplanten Bodensanierung vollständig zu entfernen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Reissl sagt:

„Bei dem Vorschlag, die Geister-Gleise zu erhalten, handelt es sich um eine Denkmalschutz-Posse. Es ist absurd, den alten Schienen einen besonderen Erhaltungswert zuzusprechen! Das frühere Bahnhofsgebäude selbst reicht völlig aus, um an den einige Jahre bestehenden S-Bahn-Halt zu erinnern. Die Gleise braucht kein Mensch mehr! Und mehr noch: Sie erschweren eine echte Aufwertung des Areals, auf dem eine attraktive Fuß- und Radwegverbindung entstehen soll. Dass dagegen ein westlich der Anlagen gelegenes Industriegleis, das noch älter als die S-Bahn-Schienen ist, anscheinend problemlos entfernt werden kann, macht die ganze Sache noch weniger nachvollziehbar. Wir fordern die Stadtverwaltung auf, alles daran zu setzen, dass die Gleise komplett entfernt werden können. Alles andere wäre ein Treppenwitz!“

Bereits beschlossen haben die Stadträtinnen und Stadträte in der vorigen Woche die Rodung des Wildwuchses auf dem Gelände westlich der Landshuter Allee, damit eine Bodensanierung ohne zeitliche Verzögerung stattfinden kann.

Geister-Gleis Ein Gleis, das im Nirgendwo endet.

Hier geht's zum SPD-Antrag.

  • Alexander Reissl
    Alexander Reissl, Fraktionsvorsitzender

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