SPD-Fraktion: „Stadt leistet Nothilfe für pflegebedürftige Menschen"

15. Oktober 2015

Pflegebedürftige Menschen, die in Heimen leben, werden in München auch von Zahnärztinnen und Zahnärzten versorgt. Anders sieht die Lage bei der weitaus größeren Gruppe der Pflegebedürftigen aus, die daheim betreut werden. Wenn diese so immobil sind, dass sie es nicht mehr in eine Zahnarztpraxis schaffen, haben die Menschen derzeit oft gar keine Möglichkeit, sich behandeln zu lassen.

Bei einer Befragung zu diesem Thema meldeten sich von 1700 Münchner Zahnärztinnen und Zahnärzten gerade mal 14 zurück, die auch Hausbesuche anbieten. Jetzt soll in München ein Modellprojekt gestartet werden, dass die zahnärztliche Versorgung von ambulant betreuten Pflegebedürftigen in München verbessert. Das hat der Gesundheitsausschuss des Stadtrats heute beschlossen.

Menschen, die Schmerzen haben oder nicht mehr Kauen können, sollen sich künftig an eine Kontaktstelle wenden können, die dann einen Vertragszahnarzt vermitteln kann, der zum Hausbesuch kommt. In dieser Kontaktstelle sollen auch „mobile Behandlungseinheiten“ – also die Ausstattung, die ein Zahnarzt für die Versorgung bei den Patienten zuhause braucht – verwaltet werden. Rund 384.000 Euro wird die Stadt ausgeben, um das Angebot zunächst in drei Stadtbezirken (Ramersdorf/Perlach, Obergiesing sowie Untergiesing/Harlaching) zu etablieren. Rund 150.000 Euro davon werden voraussichtlich in die Anschaffung von zehn mobilen Einheiten fließen, der Rest der Summe sind im Wesentlichen Personalkosten.

Auch die SPD hat dem heutigen Beschluss zugestimmt, allerdings mit zwiespältigen Gefühlen. Dr. Ingo Mittermaier, Stadtrat und gesundheitspolitischer Sprecher der SPD, erklärt:

„Natürlich ist es richtig, einen Versuch zu starten, die zahnärztliche Versorgung von pflegebedürftigen Menschen in München zu verbessern. Niemand soll Schmerzen aushalten oder nur noch Brei essen müssen, nur weil er es nicht mehr aus eigener Kraft zum Arzt schafft. Dennoch ist der heutige Beschluss auch ein Beleg für ein Systemversagen. Denn die zahnärztliche Versorgung sicherzustellen ist definitiv keine städtische Aufgabe, sondern eine Aufgabe, für die eigentlich die niedergelassenen Kassenzahnärzte und ihre Selbstorganisation eine Lösung finden müssen! Weil die Zuständigen aber abwinken, leisten wir sozusagen Nothilfe für die pflegebedürftigen Menschen.“

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