Stadtrats-Blog von Constanze Söllner-Schaar und Julia Schönfeld-Knor: Ein Besuch in unserer Partnerstadt Harare

05. November 2015

Eine Delegation aus Stadtratsmitgliedern und Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung besuchte vom 25.10. bis 1.11.2015 Harare, die Hauptstadt Zimbabwes. Constanze Söllner-Schaar und Julia Schönfeld-Knor nahmen für die SPD-Fraktion an dieser Reise teil und berichten hier von ihren Erlebnissen im Süden Afrikas.

Tinoonana mazuva anotevera – Wir werden uns bald wiedersehen...

Mit diesem Satz verabschiedeten wir uns von unseren Stadtratskolleginnen und -kollegen in Harare.

Die Städte München und Harare sind seit 1996 durch eine Städtepartnerschaft miteinander verbunden. Es fanden bereits mehrere gegenseitige Besuche statt. Diesmal ging es neben dem allgemeinen Austausch zwischen den Stadträten hauptsächlich um Prozessmanagement, IT-Infrastruktur und den Kommunalhaushalt.

In Harare liefen seit 2011 Projekte zur Prozessoptimierung und die Begleitung des Aufbaus einer IT-Infrastruktur zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Verwaltung und der besseren Transparenz für Stadträte und Bürger. Die Ergebnisse wurden im Rahmen unseres Besuchs vorgestellt. Am Donnerstag wurde dann der zweite Kooperationsvertrag von Hep Monatzeder, unserem Delegationsleiter, und dem Bürgermeister von Harare unterzeichnet. München wird unseren Freunden in Harare zukünftig bei der Implementierung eines Geoinformationssystems, beim Aufbau eines nachhaltigen Abfallwirtschaftssystems, bei der Einführung von Projekten zur Erzeugung erneuerbarer Energien sowie weiterhin bei der Qualifizierung der dortigen Stadträte Hilfe leisten sowie Unterstützung in akuten Notsituationen geben. Somit geht München weiter den Weg, innerhalb der Städtepartnerschaft unseren Freunden in Harare statt bloßer finanzieller Unterstützung lieber Wissen zur Verfügung zu stellen und so Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

Besonderes Highlight für uns war der Besuch einer Bürgerversammlung in einem der 46 Stadtvierteln, den sog. „Wards“. Die Wards werden jeweils von einzelnen Stadträtinnen bzw. Stadträten betreut. Zwischen den Stadtbezirken bestehen sehr große Unterschiede, z.B. hinsichtlich der Einkommensverhältnisse der Einwohner und – dadurch nicht verwunderlich – in der Infrastruktur vor Ort. Beispielsweise gibt es zwar flächendeckend Wasserrohre, aber es kommt nur die Hälfte des eingespeisten Wassers an, weil der Rest versickert. Wasserrechnungen werden willkürlich erstellt, Wasseruhren gibt es nicht. Trotz aller Schwierigkeiten kann jedoch von Politikverdrossenheit und dergleichen überhaupt nicht die Rede sein – es war deutlich zu spüren und zu sehen, dass Bürgerbeteiligung gewünscht ist und auch mit Leben gefüllt wird. Die Menschen wollen sich einbringen und die Stadträte unterstützen dies auch.

In der Bürgerversammlung, die wir besucht haben, waren mehr als hundert Bürger in allen Altersstufen anwesend. Der zugehörige Stadtrat stellte sich und die dort ansässige Verwaltung vor. Dann wurden die aktuellen Planungen z.B. zur Trinkwasserversorgung oder zum Abfallmanagement präsentiert. Im Anschluss konnten Fragen und Anträge gestellt werden – ähnlich einer Bürgerversammlung bei uns. In Harare finden die Bürgerversammlungen übrigens vierteljährlich statt. Zudem war bei den Sitzungen immer eine Vertreterin für die Senioren anwesend. Sie beteiligte sich rege an der Diskussion. Völlig anders war auch, dass Sitzungen immer mit einem Gebet begonnen und beendet wurden.

Darüber hinaus wird in Harare die politische Bildung, insbesondere der Jugend, Ernst genommen. Wir waren begeistert, dass jährlich eine Schülerin bzw. ein Schüler als „Junior Councillor“ für ein Jahr auserwählt wird und den „Senior Councillor“ (Stadtrat) begleitete. Wir finden, dies ist eine sehr gute Möglichkeit, um die Jugend für die Politik und Bürgerbeteiligung zu begeistern!

Am darauffolgenden Tag besuchten wir ein Hospiz für AIDS-Patienten, eine privat organisierte Schule für über 400 Schüler und ein Frauenprojekt mit Glasrecycling. Das Engagement der Menschen, die diese Einrichtungen leiteten, war beeindruckend.

Insgesamt haben wir viele Eindrücke gesammelt. Diese Städtepartnerschaft ist sehr lebendig und wenn es auch auf den ersten Blick einseitig wirken könnte, so profitieren doch beide Städte unglaublich von den Begegnungen und dem Austausch.

Harare_1 Julia Schönfeld-Knor, die Vertreterin der Senioren und Constanze Söllner-Schaar vor der Bürgerversammlung

Harare_2 Constanze Söllner-Schaar mit einer Stadträtin aus Harare

  • Julia Schönfeld-Knor
    Julia Schönfeld-Knor, Stadträtin
  • Dr. Constanze Söllner-Schaar
    Dr. Constanze Söllner-Schaar, Stadträtin

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