Münchner Abwasser als Frühwarnsystem!

20. Mai 2020

Antrag

Die Münchner Stadtentwässerung und das Referat für Gesundheit und Umwelt werden aufgefordert, zu überprüfen, inwieweit sich die LHM mit den eigenen Kläranlagen am aktuellen Forschungsprojekt "Integrales SARS-CoV-2-Abwassermonitoring" des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) und der Technischen Universität (TU) Dresden beteiligen kann.

Begründung

Viele SARS-CoV-2-Infizierte werden in der Statistik nicht erfasst, weil sie entweder gar keine oder keine typischen Symptome aufweisen und deshalb nicht getestet und gemeldet werden. Wie hoch diese Dunkelziffer und damit der tatsächlich infizierte Anteil der Bevölkerung ist, ist aber ein wichtiger Schlüsselparameter für die epidemiologische Bewertung einer Pandemie sowie die Prognose dafür, wie sie sich weiterentwickeln wird.

Europäischen Wissenschaftlern ist es gelungen, Sars-CoV-2 in kleinsten Mengen im Abwasser nachzuweisen, bevor Corona-Infektionen in der betreffenden Region bekannt wurden.

Je nach Konzentration des Virus im Abwasser lässt sich also vielleicht feststellen, ob nur vereinzelt Menschen infiziert sind oder bereits sehr viele. Und ob die Zahl der Infizierten abnimmt oder steigt. Das Abwasser liefert wertvolle Zusatzinformationen über die Zirkulation des Virus. Durch Abwasserüberwachung könnten damit Frühwarnsysteme installiert werden, um das Infektionsgeschehen zu beobachten.

Auch der Fachbereich Siedlungswasserwirtschaft der Technischen Universität München untersucht bereits Abwasserproben an Kliniken nach dem Corona-Virus. Ein Forschungsantrag aus Bundesmitteln ist hier gestellt, aber noch nicht bewilligt. Das Projekt der TU Dresden ist bereits bewilligt und angelaufen. Durch eine Beteiligung könnte München daher rasch in den Entwicklungsprozess eingebunden werden und von den zusätzlichen Erkenntnissen profitieren.

Von Vorteil könnte ebenso sein, dass in München im Rahmen einer anderen wissenschaftlichen Studie 3.000 Haushalte per Blutprobe auf eine Corona-Infektion untersucht wurden. Durch einen Vergleich dieser Studie mit den Daten aus der Abwasserentnahme könnten ggf. weitere Rückschlüsse gezogen werden.
Um bestmöglich von der Teilnahme an diesem Programm profitieren zu können und da das Forschungsprojekt bereits begonnen hat, möchten wir bitten, unabhängig von der in der Geschäftsordnung vorgegebenen Bearbeitungsfrist der Intention dieses Antrags schnellstmöglich nachzugehen.

gez.
Dr. Julia Schmitt-Thiel
Kathrin Abele
Julia Schönfeld-Knor
Klaus Peter Rupp
Andreas Schuster
Barbara Likus
Lena Odell
Lars Mentrup
Fraktion SPD/Volt

Paul Bickelbacher
Bernd Schreyer
Angelika Pilz-Strasser
Florian Schönemann
Anja Berger
Sybille Stöhr
Nimet Gökmenoglu
Dr. Hannah Gerstenkorn
Fraktion Die Grünen – Rosa Liste