Naturschutz Stärken IV Insektenfreundliche Gestaltung der Grünflächen in München

13. Oktober 2021

Antrag

Das Baureferat-Gartenbau wird beauftragt sein Pflegeprogramm für die städtischen Grünflächen zu überarbeiten mit dem Ziel, das Nahrungsangebot für Bienen und andere Insekten zu verbessern. Hierzu soll als neuer Regelfall eine maximal 2-fach jährliche Mahd für alle Grünflächen, inkl. des Straßenbegleitgrüns, unter kommunaler Verantwortung festgesetzt werden. So sollen sich insektenfreundliche Langgras- bzw. Blühwiesen entwickeln. Bei der Mahd sind die Blütezeiten in Frühjahr und Sommer zu berücksichtigen. Davon ausgenommen sind die erforderlichen Erholungs-, Freizeit- und Sportflächen auf welchen eine regelmäßige Mahd zur Gewährleistung der Nutzung notwendig ist. Regel- und Ausnahmefall wird somit umgekehrt.

Der Zeitplan für die regelhafte Umstellung der Mahd orientiert sich an den laufenden Verträgen für externe Dienstleister und soll schnellstmöglich jeweils spätestens bei Neuvergabe der Verträge erfolgen. Das neu einzurichtende, stadtweite Mahdkonzept baut direkt auf den Pilotversuch, der im laufenden Jahr in Schwabing-West begonnen wurde, auf.

Begründung

Das globale Artensterben ist eine der größten Herausforderungen, vor denen die Menschheit gegenwärtig steht. Wesentlicher Treiber dieser globalen Naturkatastrophe ist das Verschwinden von naturnahen, geschützten Lebensräumen. Für das Münchner Stadtgebiet gehen aktuelle Schätzungen von 9.000 bis 20.000 Arten aus, was die Verantwortung der Landeshauptstadt München zur Bekämpfung des Artensterbens unterstreicht.

Laut einer national und international viel beachteten Studie aus 2017 ist der Bestand von Insekten in Deutschland in den letzten 30 Jahren um mehr als 70 % zurückgegangen. Neben der zunehmenden Landschaftsversiegelung sind dafür auch der Beschnitt von Bäumen und Hecken sowie die häufige Mahd von Wiesenflächen mit verantwortlich. So können keine arten- und blütenreichen Wiesen entstehen, wodurch das Nahrungsangebot der Insekten eingeschränkt wird. Ein weiterer Rückgang der Insektenzahlen hätte auch einen negativen Einfluss auf die Zahl anderer wildlebender Tiere wie Vögel und Igel und die Pflanzenvielfalt in der Stadt würde weiter abnehmen.

Die Bürger*innen in Bayern haben im Jahr 2019 mit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ eindrucksvoll verdeutlicht, dass sie von der Politik wirksame Maßnahmen für den Insektenschutz erwarten. Es ist daher nicht ausreichend nur einzelne Grünflächen seltener zu mähen, sondern es bedarf einer generellen Umkehr von Regel- und Ausnahmefall.

gez.
Dr. Julia Schmitt-Thiel
Felix Sproll
Anne Hübner
Andreas Schuster
Lars Mentrup

SPD/Volt-Fraktion

Mona Fuchs
Dominik Krause
Judith Greif
Florian Roth
Clara Nitsche
Julia Post
Christian Smolka
Angelika Pilz-Strasser
Florian Schönemann

Fraktion Die Grünen – Rosa Liste