Die Pflege: Besser als ihr Ruf. Und doch ist viel zu tun!

SPD-Stadträtin Anne Hübner

14. August 2019

Stadträtin Anne Hübner beschreibt diese Woche in einem Blog, was die SPD im Münchner Rathaus für ältere Münchnerinnen und Münchner leistet – und was sie in diesem Bereich noch vor hat. Heute geht sie dabei auf das Thema Pflege ein.

Kaum ein Thema löst so viele Ängste aus wie die drohende Pflegebedürftigkeit. Egal, ob man selbst betroffen ist, der Partner oder nahe Angehörige. Der Platz im Pflegeheim, der Verlust von Selbstständigkeit und Selbstbestimmung und nicht zuletzt finanzielle Sorgen: Wenn die Pflegebedürftigkeit eintritt und anhält, benötigen wir schnelle, kompetente und nachhaltige Unterstützung. In München haben wir ein breites Angebot aufgebaut:

• Die Beratungsstellen für ältere Menschen und pflegende Angehörige unterstützen bei allen wesentlichen Fragen, u.a. zu besonderen Wohnangeboten im Alter (Betreutes Wohnen etc.) und zur Pflegebedürftigkeit sowie den dabei entstehenden Kosten. Nicht selten liegt die monatliche Eigenbeteiligung für einen Pflegeplatz in München bei 3.000 Euro! Wer das allein nicht finanzieren kann, hat ein Recht auf finanzielle Hilfe durch den Bezirk Oberbayern. Neben fachlicher Beratung, Vermittlung von ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeplätzen, der Unterstützung beim Ausfüllen von Vorsorgevollmachten und Anträgen gibt es hier auch Entlastungsangebote für pflegende Angehörige.

• Einen umfassenden Überblick über alle Wohn-, Betreuungs- und Pflegeangebote im Alter bietet die Münchner Pflegebörse. Hier sind in Krisensituationen auch verfügbare Kurzzeitpflegeplätze am besten zu finden.

• Jedes Münchner Pflegeheim wird durch die Stadt so gefördert, dass zwei zusätzliche Personalstellen zur Verfügung stehen, um beim Einzug ins Heim und der Betreuung von Demenzkranken zu unterstützen. Außerdem wird jedes Jahr eine hohe sechsstellige Summe an Fördermitteln eingesetzt, um Fachkräfte bei der Weiterbildung zu unterstützen (u.a. zur Palliativversorgung).

• In München gibt es 57 vollstationäre Pflegeheime. Die Plätze dort sind zu 95 % ausgelastet. Deshalb fördern wir den Neubau und die Sanierung von Pflegeplätzen mit mehreren Millionen Euro pro Jahr. Die Münchnerinnen und Münchner sollen auch in der letzten Lebensphase wohnortnah und qualitativ hochwertig versorgt werden.

• Und wenn Sie Sorgen haben mit einem ambulanten Dienst oder im Heim, können Sie immer auf unsere Städtische Beschwerdestelle für Probleme in der Altenpflege zugehen. Die Kolleginnen und Kollegen unterstützen sie, das Problem zu lösen.

Trotzdem bereitet mir die künftige pflegerische Versorgung der Münchnerinnen und Münchner große Sorgen. Obwohl Bayern die besten Personalschlüssel in der Altenpflege hat, gibt es zu wenige Pflegekräfte, die dann aufgrund weitreichender Dokumentationspflichten nicht so viel Zeit für die Bewohnerinnen und Bewohner haben, wie sich das alle wünschen würden. Wenn man in München im akuten Notfall einen ambulanten Pflegedienst sucht, muss man häufig lange herumtelefonieren und dann auch noch Glück haben, um eine gute Versorgung der Angehörigen zu organisieren.

Neben häufig schwierigen Arbeitsbedingungen im Schichtdienst, werden viele Pflegekräfte auch nicht angemessen entlohnt. Zudem bedeutet eine bessere Bezahlung der Pflegenden in der Regel: Die Bewohnerinnen und Bewohner müssen deutlich mehr zahlen. Diese Fehlkonstruktion bei der Finanzierung der Pflege muss endlich verändert werden. Leider können wir die gesetzliche Pflegeversicherung nicht von München aus reformieren. Was wir aber tun können: Wir schaffen Wohnraum für Pflegekräfte. Künftig müssen wir die freien Träger der Wohlfahrt noch besser unterstützen, Wohnraum für Fachkräfte zu schaffen. Auch für Erzieher*innen oder SozPäds.

Ein schönes Beispiel, wie Pflege gut funktionieren kann, ist der städtische Träger MÜNCHENSTIFT: Hier verdienen die Pflegekräfte deutlich über Flächentarif, fast alle Häuser sind modernisiert und die Bewohnerinnen und Bewohner gut versorgt. Zudem wird auch bei der Ernährung auf regionale und biologische Zutaten großen Wert gelegt. Damit das überall möglich wird, muss auf allen politischen Ebenen so viel in die Pflege investiert werden wie in München. Nur dann haben wir alle die Chance, im Alter auch bei Pflegebedürftigkeit gut für uns und unsere Angehörigen sorgen zu können.

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