SPD/Volt startet große Pflegeoffensive für München

17. September 2021

Günstiger Wohnraum, innovative Arbeitszeitmodelle, moderne Sabbatical-Regelungen, Verbesserungen in der Ausbildung und arbeitsnehmer*innenfreundliche Kita-Öffnungszeiten: Mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket setzt sich SPD/Volt im Münchner Stadtrat für eine Entlastung der Pflegebeschäftigten in der München Klinik und stationäre Pflegeeinrichtungen ein. Mit insgesamt acht Anträgen will die Fraktion Fachkräftemangel, Leiharbeit, hohe Lebenshaltungskosten und die Mehrbelastungen durch die Corona-Pandemie bekämpfen.

Bei einer Pressekonferenz stellen Bürgermeisterin Verena Dietl und Fraktionschefin Anne Hübner unsere Forderungen vor. Foto: Melanie Staudinger
Bei einer Pressekonferenz stellen Bürgermeisterin Verena Dietl und Fraktionschefin Anne Hübner unsere Forderungen vor. Foto: Melanie Staudinger

Beschäftigte in der Pflege leisten einen wichtigen Beitrag für unser Gesundheitssystem, sind aber in ihrem Berufsalltag enormen Belastungen ausgesetzt. Personalmangel zwingt zu Mehrarbeit, durch die Corona-Pandemie sind die Anforderungen zusätzlich gestiegen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ein hohes Infektionsrisiko, Schichtdienst und lange Arbeitszeiten. Sie tun sich schwer, sich das Leben im teuren München überhaupt leisten zu können. Und oftmals reichen die Betreuungszeiten in den Kitas bei Schichtdienst nicht aus.

Attraktive Anreize

Hohe Mieten und teure Lebenshaltungskosten schrecken Pflegekräfte oft ab, nach München zu kommen und hier zu arbeiten. Bezahlbarer Wohnraum, vor allem für Familien, in Arbeitsplatznähe wäre ein Vorteil bei der Personalgewinnung. SPD/Volt schlägt daher vor, in Zusammenarbeit mit den städtischen Wohnungsbaugesellschaften den Bau von noch mehr Wohnungen auf den Weg zu bringen. Diese könnten zum einen in Stelzenbauweise auf dem Gelände von München Klinik und München Stift oder auf Flächen in der Nähe errichtet werden. Vorstellbar ist aber auch eine Kooperation mit den Landkreisen im S-Bahn-Einzugsgebiet, um dort gemeinsam Wohnungen zu bauen und sich die Belegrechte zu teilen.

Wir werden zudem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern, indem wir die Kita-Öffnungszeiten für die Kinder von Pflegebeschäftigten deutlich erweitern. Vor allem in den Morgen- und Abendstunden sowie am Wochenende ist das nötig, damit Eltern im Schichtdienst arbeiten können, ohne dabei in Betreuungsnöte zu geraten. Dieses Angebot könnten auch offen stehen für weitere in der Daseinsvorsorge und im Schichtbetrieb tätige Mitarbeiterinnen, etwa Polizistinnen oder Feuerwehrleuten.

Die Pflege braucht umfassende Reformen, damit mehr Personal zur Verfügung steht. Gleichzeitig aber sind auch schnelle Lösungen gefragt. Kurz- und mittelfristig kann der Beschäftigtenmangel auch dadurch gelindert werden, wenn der Zugang zum Berufsfeld für ausländische Fachkräfte erleichtert wird. SPD/Volt plädiert für einen Abbau bürokratischer Hürden. Zudem soll die Stadt sich noch mehr in der Integration engagieren, etwa durch die Förderung von Relocationservices oder Sprachkursen.

Die bis Ende 2021 befristete Schulsozialarbeit an der Akademie der München Klinik, soll aus Sicht von SPD/Volt unbefristet verlängert werden. Die Sozialpädagogen unterstützen die Auszubildenden bei der Lehre und helfen ihnen, gut im Berufsalltag anzukommen. Das minimiert Ausbildungsabbrüche.

Dazu sagt Bürgermeisterin Verena Dietl:

„Wir brauchen attraktive Anreize für Pflegekräfte, damit sie sich das Leben in München gut leisten und organisieren können. Dazu gehört an erster Stelle bezahlbarer Wohnraum. Nicht nur für die, die gerade zuziehen, sondern auch später, wenn die Pflegekräfte eine Familie gründen. Hier müssen wir mit dem Umland kooperieren. Wichtig sind auch flexible Betreuungszeiten in den Kitas. Denn nur so lassen sich Beruf und Familie wirklich vereinbaren. Wir wollen hier mit gutem Beispiel vorangehen.“

Innovative Arbeitsmodelle

Viele Pflegekräfte verlassen ihren Beruf wegen der hohen körperlichen und psychischen Belastung schon weit vor dem Renteneintritt. Das trägt enorm zum Fachkräftemangel und zu einer zusätzlichen Belastung derer, die in ihrem Job verbleiben, bei. SPD/Volt schlägt daher vor, dass langjährigen Pflegekräfte bezahlte Auszeiten (Sabbaticals) ermöglicht werden. Zudem wird die Stadtverwaltung gebeten zu prüfen, ob ein Lebensarbeitszeitkonto geeignet wäre, um Pflegekräften entweder längere Auszeiten oder einen früheren Renteneintritt zu gewähren.

Neben der Arbeitszeitreduzierung ist auch das betriebliche Gesundheitsmanagement wichtig für Pflegebeschäftigte. Hier soll das Gesundheitsreferat prüfen, inwieweit die Stadt Leistungen wie Massagen, Gesundheitstage oder Anleitungen zu rückenschonenden Arbeitstechniken fördern kann. Es kommen dabei nicht nur Angebote an der Arbeitsstätte, sondern auch externe Sport- und Präventionsmaßnahmen in Frage.

Die SPD/Volt-Fraktion im Münchner Stadtrat fordert zudem, Supervision dauerhaft zur Verfügung zu stellen. In stationären Altenpflegeeinrichtungen läuft das Angebot, das Pflegekräfte in ihrem oftmals schwierigen Alltag begleitet, mit Erfolg und soll nun auf die München Klinik ausgeweitet werden. Im moderierten Dialog arbeiten die Teams gemeinsam an Problemlagen und entwickeln langfristige Lösungen.

Dazu sagt Anne Hübner, Vorsitzende der SPD/Volt-Fraktion:

„Die Arbeitsbedingungen in der Pflege müssen radikal verbessert werden, um dem Fachkräftemangel strukturell und langfristig etwas entgegenzusetzen. Neue Arbeitszeitmodelle wie weniger Wochenarbeitszeit bei gleichem Lohn, längere Auszeiten oder ein Lebensarbeitszeitkonto können dabei helfen. Viele Pflegekräfte scheiden früh aus ihrem Beruf aus, deshalb sind Maßnahmen zur Gesunderhaltung unglaublich wichtig. Hier müssen wir mutig sein im Denken und neue Wege gehen.“

Bund und Land in der Pflicht

München tut als Kommune das, was möglich ist, um die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern. Um den Fachkräftemangel aber langfristig zu bekämpfen, sind Maßnahmen auf Bundes- und Landesebene nötig. Die SPD/Volt-Fraktion bittet die Stadtspitze daher, sich bei Bund und Freistaat für folgende gesetzliche Änderungen bzw. Regelungen einzusetzen:

  • 100%ige Finanzierung der Pflegekosten für die Krankenhäuser inklusive aller pflegeunterstützenden Tätigkeiten
  • Abschaffung der Leiharbeit in den pflegerischen Berufen
  • 100%ige Finanzierung der Berufsfachschulen für Gesundheitsfachberufe in der Theorie- und Praxisausbildung sowie der baulichen Infrastruktur. Die Konditionen für Lehrpersonal sollen deutlich verbessert werden.
  • Vertreterinnen und Vertreter der Pflegekräfte sollen endlich eine Stimme in den Gremien der Gesundheits- und Pflegepolitik

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