Verantwortung aus der Geschichte stärken: Verbindliche interne Zugänglichkeit der städtisch finanzierten NS-Geschichtsforschung und verpflichtende Fortbildungsangebote für Beschäftigte der Landeshauptstadt München
Aktualisiert am 02.04.2026
ANTRAG
Der Münchner Stadtrat bekennt sich ausdrücklich dazu, dass die Ergebnisse städtisch beauftragter und durch den Stadtrat finanzierter Forschungsarbeiten zur NS-Vergangenheit Münchens nicht nur wissenschaftlich erstellt, sondern auch für alle Beschäftigten der Landeshauptstadt München dauerhaft und kostenfrei zugänglich gemacht werden müssen.
Die Verwaltung wird beauftragt,
- die Ergebnisse der städtisch finanzierten Forschungsprojekte zur NS-Geschichte Münchens (insbesondere die im Kontext der Reihe „München im Nationalsozialismus“ erschienenen Publikationen) vollständig und kostenfrei für alle städtischen Mitarbeitenden digital bereitzustellen;
- auf Grundlage dieser Forschungsergebnisse verpflichtende Fortbildungsangebote für alle Beschäftigten zu entwickeln und dauerhaft in das interne Fortbildungsprogramm der Landeshauptstadt München zu integrieren;
- ein Konzept zur Regelverankerung dieser Bildungsangebote im Rahmen der Personal- und Organisationsentwicklung vorzulegen;
- einen Umsetzungsplan mit Zeitrahmen, Verantwortlichkeiten und Ressourcenbedarf bis spätestens 31. Oktober 2026 dem Stadtrat zu berichten.
BEGRÜNDUNG
Der Stadtrat der Landeshauptstadt München hat in früheren Sitzungen beschlossen und finanziell unterstützt, dass wissenschaftliche Studien zur Rolle der Stadt und ihrer Institutionen im Nationalsozialismus erstellt werden. Dabei entstanden belastbare Analysen, die unter anderem in der Reihe „München im Nationalsozialismus“ veröffentlicht wurden.
Diese Arbeiten wurden über den regulären Buchmarkt publiziert, sodass für das Lesen und Nutzen ein Kaufpreis zu entrichten ist. Vor dem Hintergrund, dass diese Forschungsprojekte mit städtischen Mitteln finanziert wurden, ist es nicht folgerichtig, wenn die daraus gewonnenen Erkenntnisse nicht kostenfrei und systematisch den Beschäftigten der Stadtverwaltung zur Verfügung stehen.
Eine demokratische Verwaltung lebt vom historischen Bewusstsein ihrer Beschäftigten. Kenntnisse über die Rolle kommunaler Institutionen im Nationalsozialismus sowie über Mechanismen von Ausgrenzung, Entrechtung und institutioneller Mitwirkung sind nicht nur ein wissenschaftlicher Wert, sondern eine fachliche Grundlage für heutige Verwaltungspraxis und demokratisches Handeln.
Auch große, in München ansässige Traditionsunternehmen mit historischer Verantwortung haben in den vergangenen Jahren ihre Unternehmensgeschichte systematisch aufgearbeitet und entsprechende interne Bildungs- und Reflexionsformate etabliert. Diese Praxis zeigt, dass institutionelles Lernen aus der eigenen Vergangenheit möglich und notwendig ist.
Angesichts zunehmender historischer Wissenslücken und demokratiefeindlicher Tendenzen ist es geboten, historische Bildung als dauerhafte Aufgabe zu verstehen. Die kostenfreie Zugänglichkeit städtisch finanzierter Forschungsergebnisse sowie deren verpflichtende Vermittlung an alle Beschäftigten stellt sicher, dass München seiner historischen Verantwortung intern wie extern gerecht wird.
SPD-Fraktion
Marian Offman
Micky Wenngatz
Lena Odell
Mitglieder des Stadtrats
