Aktualisiert am 03.02.2026
Wohnen wie in Wien – eine neue Wohnungsgemeinnützigkeit für München
München, 15. Januar 2026
Wohnbaugenossenschaften sorgen für bezahlbare Wohnungen. In Österreich werden sie gefördert und steuerlich entlastet. Mit vier Stadtratsanträgen geht die SPD-Fraktion den Weg in Richtung Wien und möchte die Akteure beim Wohnungsbau entlasten.
Die SPD schaut über den Tellerrand: Wie schaffen andere Städte bezahlbaren Wohnraum? Nach der Diskussion mit Hamburg, wie Baukosten durch andere Standards sinken können, folgt der Blick nach Wien: Das Wiener Erfolgsmodell ist die gemeinnützige Wohnungswirtschaft, die dauerhaft bezahlbares Wohnen schafft. Eingeführt wurde sie schon früh im Roten Wien (1919-1934), als Sozialdemokrat*innen die absolute Mehrheit hielten.
In München gibt es ca 900.000 Wohnungen. Seit 2014 sind dabei über 80.000 Wohnungen neu fertiggestellt worden – mehr, als es in Regensburg insgesamt gibt. Dennoch sind zwei Dinge offensichtlich: Erstens gibt es zu wenige Wohnungen, weil die Stadtbevölkerung wächst, es mehr Singlehaushalte gibt als früher und sich für Senior*innen mit altem Mietvertrag der Umzug in eine kleinere, aber nicht günstigere Wohnung nicht lohnt. Zweitens steigen die Mieten beim Neubezug einer Mietswohnung in absurde Höhen – und damit natürlich auch der gesamte Mietspiegel bei jeder Auflage.
Die Anzahl der Wohnungen, auf die die Stadt bei der Belegung überhaupt Zugriff hat, liegt bei nahezu 95.000. Davon sind über 70.000 bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Münchner Wohnen und über 18.000 bei privaten Eigentümern mit Belegungsbindungen. Zusätzlich sind ca. 45.000 Wohnungen bei Genossenschaften und so ebenfalls dem rein privaten und renditeorientieren Wohnungsmarkt entzogen.
Die SPD-Fraktion im Rathaus legt nun den Fokus auf die gemeinnützige Wohnungswirtschaft. Ihr Ziel ist, das mehr dauerhaft bezahlbare Wohnungen entstehen – gerade auch für die Mittelschicht, Familien und Arbeitnehmer mit durchschnittlichen Einkommen. Es gibt aber ein Problem in Deutschland: Bisher werden Wohnungen auf Zeit gefördert. Irgendwann laufen die Bindungen aus und die Eigentümer dürfen die Mieten schlagartig erhöhen. Zwischen 2013 und 2023 ist die Zahl der Sozialwohnungen in Bayern um mehr als 10 Prozent gesunken, erst im Jahr 2022 wurde der Rückgang gebremst. Im selben Zeitraum gelang es München, die Zahl mit knapp 90.000 Wohnungen weitgehend konstant zu halten. Alleine hierfür musste die Landeshauptstadt seit 2010 aber 14.000 Wohnungen neu bauen.
So kann es nicht weitergehen. Deshalb knüpft die SPD-Stadtratsfraktion an ein Vorhaben der Ampelkoalition aus dem Jahr 2024 an, die Neue Wohnungsgemeinnützigkeit – abgekürzt NWG. In der damaligen Reform wurden gesetzliche Vorgaben in der Abgabenordnung geändert, um diejenigen Akteure auf dem Wohnungsmarkt zu bevorzugen, die gemeinwohlorientiert sind – darunter Genossenschaften. Wenn die Akteure und nicht die Wohnungen gefördert werden, dann können bezahlbare Wohnungen dauerhaft gesichert werden.
„Die Wohnungsgemeinnützigkeit ist einer der wichtigsten Gründe, warum Wien nicht die Probleme wie andere Großstädte auf dem Wohnungsmarkt hat. Deshalb wollen wir uns auch hier Wien als Vorbild nehmen. Wir als SPD-Fraktion wollen, dass München voran geht und alle Möglichkeiten prüft, die sich jetzt mit der Wiedereinführung der Wohnungsgemeinnützigkeit als Steuerkategorie umsetzen lassen. Das Ziel ist es, dauerhaft bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“
Simone Burger, SPD-Planungssprecherin
Konkret beantragt ist die Prüfung, ob eine Senkung oder ein Verzicht des Erbbauzinses für Wohnungsbau auf städtischen Flächen für die ersten Jahre möglich ist, um Genossenschaften die Investition zu erleichtern.
Zweitens soll geprüft werden, ob die Stadtsparkasse und die Stadtwerke München Möglichkeiten haben, Bürgschaften für Genossenschaften übernehmen. Damit kann die Realisierung von Projekten in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten bei den Banken abgesichert werden.
Auch abseits von Finanzierungsfragen soll geprüft werden, ob es weiteren Spielraum gibt: Ob die Stadtverwaltung die Kosten bei Baustelleneinrichtungen für Genossenschaften senken und die Verfahren erleichtern kann. Bei Bauvorhaben von insbesondere kleineren Genossenschaften, die sich die Baufelder mit anderen Akteuren teilen, sollen bessere Abstimmungsprozesse erfolgen und bessere Bedingungen beim Baustellenstrom geschaffen werden.
Die beantragten Vorschläge hat die Rathaus-SPD nach Gesprächen mit gemeinnützigen Akteuren im Wohnbau ausgearbeitet. Mit ihnen können die Bedingungen für den Wohnungsbau schnell verbessert werden.
„Wir stärken Genossenschaften gerade in dieser schwierigen Lage, weil diese ein soziales und dabei gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreiches Modell verfolgen, um Wohnungen in München zu realisieren. Daher wollen wir sie sowohl bei der Finanzierung wie auch bei den Bauabläufen stärken und ihnen mit besseren Rahmenbedingungen der Stadt helfen. Das ist für uns als SPD ein weiterer Baustein in unserer Politik für mehr sozialen Wohnungsbau trotz sehr schwieriger Lage.“
Dr. Christian Köning, SPD-Fraktionsvorsitzender
Die SPD-Stadtratsfraktion im Münchner Rathaus hat ihren Kurs klar gesetzt: Für ein soziales München, in dem alle gut leben, das verlässlich funktioniert, sicher ist. Wir machen Politik, die klug soziale, ökologische, wirtschaftliche und finanzielle Aspekte miteinander denkt. Wir gehen nicht den bequemen, sondern den zukunftsfähigen Weg.


„Die Wohnungsgemeinnützigkeit ist einer der wichtigsten Gründe, warum Wien nicht die Probleme wie andere Großstädte auf dem Wohnungsmarkt hat. Deshalb wollen wir uns auch hier Wien als Vorbild nehmen. Wir als SPD-Fraktion wollen, dass München voran geht und alle Möglichkeiten prüft, die sich jetzt mit der Wiedereinführung der Wohnungsgemeinnützigkeit als Steuerkategorie umsetzen lassen. Das Ziel ist es, dauerhaft bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“
„Wir stärken Genossenschaften gerade in dieser schwierigen Lage, weil diese ein soziales und dabei gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreiches Modell verfolgen, um Wohnungen in München zu realisieren. Daher wollen wir sie sowohl bei der Finanzierung wie auch bei den Bauabläufen stärken und ihnen mit besseren Rahmenbedingungen der Stadt helfen. Das ist für uns als SPD ein weiterer Baustein in unserer Politik für mehr sozialen Wohnungsbau trotz sehr schwieriger Lage.“
