SPD/Volt fordert: Arztpraxen fair in der ganzen Stadt verteilen

Foto: Lindemann

20. Januar 2022

Viele Ärzt*innen im Zentrum, wenig Angebot am Stadtrand: Arztpraxen sind in München sehr ungleich verteilt. Die SPD/Volt-Fraktion im Stadtrat fordert die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) daher erneut auf, ihre Kriterien endlich den Verhältnissen in einer Großstadt anzupassen. Absolut unverständlich ist neben dem Beharren auf einer rechnerischen gesamtstädtischen Überversorgung auch der Maßstab für die Zugänglichkeit einer Arztpraxis, der noch immer in PKW-Minuten berechnet wird.

Auf den ersten Blick ist die Situation in München exzellent: Es mangelt weder an Hausarzt- noch an Facharzt- oder Kinderarztpraxen. Doch diese sind sehr unterschiedlich im Stadtgebiet verteilt. In Milbertshofen – Am Hart müssen sich 11.521 Mädchen und Jungen eine Kinderarztpraxis teilen. In Feldmoching – Hasenbergl sind es 5580, in Trudering – Riem 3028. Wesentlich besser sieht es in der Altstadt und im Lehel aus: Hier kommen 356 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren auf einen Kinderarzt bzw. eine Kinderärztin. Diese Zahlen hat das Gesundheitsreferat der Stadt am Donnerstag im Gesundheitsausschuss des Stadtrats bekannt gegeben.

Die SPD/Volt-Fraktion im Münchner Stadtrat kämpft seit Jahren dafür, die Ungleichbehandlung zu beenden. Doch bisher stellt die KVB sich mit Verweis auf die gesamtstädtische Überversorgung quer. An der Situation werden nicht einmal die großen neuen Baugebiete mit Tausenden neuzuziehenden Familien etwas ändern. Zusätzlicher Bedarf könnte sich ergeben, wenn das Kriterium der sogenannten Zugänglichkeit nicht erfüllt wäre. Doch hier legt die KVB die Erreichbarkeit mit dem Auto zugrunde. 95 Prozent der Einwohner*innen müssen eine Hausarztpraxis in weniger als 20 Minuten und eine Kinderarztpraxis in weniger als 30 Minuten erreichen können. Das ist in München rein rechnerisch erfüllt, jedoch fern der Lebensrealität: Denn gerade Familien in ärmeren Vierteln besitzen kein eigenes Auto und brauchen mit dem öffentlichen Nahverkehr in Stadtrandlagen entsprechend länger.

Dazu sagt Klaus Peter Rupp, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD/Volt-Fraktion:

„München ist eine Großstadt und muss anders behandelt werden als kleine Dörfer auf dem Land. Auch hier haben die Menschen das Recht, wohnortnah Arztpraxen vorzufinden. Deshalb fordern wir die KVB und die Krankenkassen auf, ihrer Verantwortung den Münchnerinnen und Münchnern gegenüber endlich nachzukommen. Es ist ihre Aufgabe, nicht die der Kommune, dass es in allen Vierteln genügend Ärztinnen und Ärzte gibt.“

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