Ranzen, Füller und Nudeln zum Schulanfang

Vereine wie Lichtblick Hasenbergl helfen Familien, doch eigentlich steht der Freistaat in der Pflicht

Ranzen, Füller und Blöcke liegen schon bereit. Noch in dieser Woche werden sie an Kinder und Jugendliche verteilt – damit diese zu Schulbeginn mit allen Materialien gut starten können. Das ist hier im nördlichen Hasenbergl nicht überall selbstverständlich. Einige Familien sind überdurchschnittlich belastet: Finanzielle Sorgen, fehlende Perspektiven, psychische Probleme und ein niedriges Bildungsniveau erschweren den Alltag.

Hier hilft das Team von Lichtblick Hasenbergl. Vor fast 30 Jahren hat Johanna Hofmeir den Verein gegründet, um Kindern im Viertel einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen. Begleitet werden bis zu 200 junge Menschen von der Geburt bis zu einem Alter von 25 Jahren. In Krippe und Kindergarten lernen sie, sich auszudrücken, zuzuhören und sich in eine Gruppe einzufügen. In der Schule erhalten sie Hilfe beim Lernen und bei den Hausaufgaben, sie erfahren, wie man im Restaurant isst oder Konflikte löst. Und in der Ausbildung haben sie Unterstützung bei den ersten Schritten in ein eigenständiges Leben. Die Eltern finden im Familienzentrum Ansprechpartner*innen.

Geschenke gibt es bei Lichtblick Hasenbergl kaum. Die jungen Leute sollen das Gefühl haben, dass sie selbst etwas geschafft haben und nicht von oben herab etwas kostenlos bekommen. Die Kinder und Jugendlichen können sich Belohnungspunkte bei kleinen Tätigkeiten verdienen und diese in der eigenen Boutique einlösen. „So lernen sie, dass Einsatz und Dranbleiben sich lohnen“, sagt Hofmeir.

Zu Schulbeginn ist das anders. In die Schultüte der Erstklässler wandern neben Heften, Bleistiften und Linealen auch Zahnbürsten und -pasta, Nudeln und Duschgel. Dinge, die nötig sind, aber teuer. Von Bund und Stadt können die Familien eine Unterstützung von bis zu 300 Euro bekommen. Das kommunale Hilfspaket hat der Stadtrat angesichts steigender Lebenshaltungs- und Energiekosten in diesem Jahr einmalig aufgestockt. Alle Schüler*innen, die unterhalb der Armutsrisikogrenze leben, erhalten einen Zuschuss von 100 Euro.

„Der Schulanfang ist teuer, obwohl wir eigentlich Lernmittelfreiheit haben“, sagt SPD-Stadträtin Julia Schönfeld-Knor bei ihrem Besuch bei Lichtblick. Hier ist der Freistaat gefragt, der Familien deutlich entlasten könnte. Doch die Landtagsmehrheit hat das kürzlich wieder abgelehnt. „Die bayerische Staatsregierung muss Maßnahmen ergreifen, damit nicht jedes Schuljahr wieder zur Zerreißprobe für unsere Familien wird“, erklärt SPD-Stadtrat Roland Hefter.

Die große Mehrheit im Münchner Stadtrat hat hier unbürokratisch zusätzliches Geld freigegeben. „Wir sind rechtlich nicht zuständig, halten es aber für die richtige Politik“, sagt Julia Schönfeld-Knor. „Wir sind sehr dankbar für das herausragende Engagement von Vereinen wie Lichtblick Hasenbergl. Denn ohne sie würden viele Eltern es kaum schaffen.“