Blog: SPD-Stadtrat besucht griechische Lager für Geflüchtete

SPD-Stadtrat Marian Offman
Foto: Susie Knoll

28. Februar 2020

Die Landeshauptstadt München soll unbegleitete minderjährige Geflüchtete, die bisher in den Lagern auf den griechischen Inseln untergekommen sind, aufnehmen und betreuen. Das fordert die SPD-Stadtratsfraktion weiterhin. SPD-Stadtrat Marian Offman war nun vor Ort in Griechenland, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Hier schildert er seine persönlichen Eindrücke.

Sonntag, 23. Februar, 9:56 Uhr

Start zu einer Reise von Vertretern der Landeshauptstadt nach Griechenland. Wir wollen uns ein eigenes Bild von den Unterkünften für Geflüchtete und deren Leben auf dem Festland in Ioannina unweit von Thessaloniki im Norden Griechenlands machen. Werde weiter berichten.

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Sonntag, 23. Februar, 17:26 Uhr

Waren auf Zwischenstation in der Kleinstadt Katharini, in der eine NGO eine Sozialapotheke mit Behandlungsräumen betreibt für nicht versicherte einkommenslose Menschen. Derzeit werden etwas 700 Familien versorgt, Darunter auch Geflüchtete. Die Medikamente werden gespendet und auf Rezept natürlich unter Wahrung der Verfallsdaten vergeben. Spenden, auch aus Deutschland, werden gerne entgegengenommen.

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Montag, 24. Februar, 10:41 Uhr

Erster Besuch einer Unterkunft für Geflüchtete in Epirus Phillippiada. Dort sind etwa 600 Geflüchtete im Asylverfahren untergebracht. Davon 200 Kinder, die in den örtlichen Schulen eines Ortes mit 6000 Einwohnern unterrichtet werden. Die Unterkunft macht einen aufgeräumten Eindruck mit Sportplatz für Kinder. Die Unterkunft entspricht im Standard etwa den Unterkünften in Bayern, wird vom ASB betreut und ist drei Kilometer vom Schulstandort entfernt. Die Geflüchteten wurden von den Inseln in diese Unterkunft gebracht. Mit den Geflüchteten konnten wir nicht sprechen.

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Montag, 24. Februar, 22:21 Uhr

Besuch der Flüchtlingsunterkunft Katsika bei Joannina, einer Stadt am See in Norden Griechenlands mit 1200 Bewohnern, davon 300 Kinder. Die Container sind mit Bad und Kochnische ausgestattet. Es herrscht dort keine große Not und keine Geflüchteten müssen außerhalb der Einrichtung nächtigen wie auf den Inseln. Dennoch scheint Hilfe von Nöten, wie auch die Leitung der Einrichtung unterstrich. Viele der Kinder sind vom Schulbesuch ausgeschlossen, weil der Impfstoff für die nötige Impfung fehlt. Obwohl zeitweise eine Ärztin und eine Hebamme vor Ort sind, fehlen Medikamente und eine angemessene Einrichtung für einen Behandlungsraum. Kurse in Griechisch als Voraussetzung für die Integration können nur sehr eingeschränkt an Erwachsene angeboten werden. Obwohl immer mehr Geflüchtete von den Inseln auf das Festland verbracht werden, sollen derzeit keine neuen Einrichtungen eröffnet werden. Wie die Ärztinnen in unserem Team unterstrichen, ist in dieser Einrichtung insbesondere Hilfe im medizinischen Bereich von Nöten.

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Das Fazit

Die Situation ist auf dem Festland besser als auf den vorgelagerten Inseln, dort herrscht noch immer eine katastrophale Lage. Bei allen Gesprächen, die wir führen konnten, bekamen wir leider keine klare Stellungnahme dazu, ob auf dem Festland weitere Lager geschaffen werden sollen, um die Zustände auf den Inseln zu verbessern. Diese Situation ist sehr schwierig.

Man fragt sich schon: Soll die Situation absichtlich so desolat bleiben, um Geflüchtete abzuhalten? Die Situation ist auf jeden Fall ein Signal an Europa, dass dringend für eine gerechtere Verteilung bei der Aufnahme von Geflüchteten gesorgt werden muss. Es ist in höchstem Maße ungerecht, wenn die Grenzstaaten der Europäischen Union mit dieser Überlastung allein gelassen werden.

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